Karneval

44 Jahre Schwarz-Gelbe-Jonge

Es war das Jahr 1953, als sich auf Initiative von Hubert Wolf und Jupp Wilbertz interessierte Mitglieder des Turn- und Sportvereins Schwarz- und Vilich-Rheindorf trafen und die Gründung der „Schwarz-Gelbe-Jonge“ beschlossen. Die Ursache für den Gründungsbeschluss ging aber zeitlich noch etwas weiter zurück. Es waren die ersten Nachkriegsjahre, als der Turnverein Schwarz- und Vilich-Rheindorf seine bunten Abende im Saal Assenmacher veranstaltete. Eine Zeit, in der die Menschen das viele Leid der vorangegangenen Kriegsjahre und die großen Sorgen für einige Stunden abschütteln wollten. Es war auch die Zeit, wo es nicht ausreichte, eine Eintrittskarate zu kaufen, sondern man zusätzlich zwei oder drei Briketts für die Beheizung des Saales mitbringen musste. Immer wieder fragt man uns, warum die Bezeichnung Schwarz-Gelbe-Jonge? Die Antwort ist wirklich sehr einfach. Schwarz und gelb waren die Vereinsfarben des Turnvereins Schwarz- und Vilich-Rheindorf. Eine Gruppe von 14 Mitgliedern begann mit den Vorbereitungen zur ersten Sitzung im Januar 1955. Es waren folgenden Gründungsmitglieder: Jupp Wilbertz - Präsident Jakob Linden - der Vize Hubert Wolf - Literat Emil Henrich Hans und Paul Broichhausen Hans und Willi Fischer Hans Orlando Theo Klein Matthias Schmitt Hans Keip Helmut Reuter und Willi Winterscheid. Der Anfangserfolg ermunterte dazu, auch in den folgenden Jahren eine Karnevalssitzung zu veranstalten. Vor einer Kappensitzung sah sich der damalige Literat veranlasst, alle Elferratsmitglieder am Vorabend der Sitzung zum Proben des Einmarsches zu bestellen. Was daraus geworden ist, können Sie sich alle vorstellen. Die damaligen Sitzung im Saale Ex waren urgemütlich. Es konnte schon mal vorkommen, dass eine halbe Stunde lang kein Karnevalist erschien, was an die Nerven des unvergessenen Hubert Wolf ging, aber Jupp Wilbertz nicht erschüttern konnte. Kurzum ging er selbst in die Bütt und schlüpfte in die Rolle des Sportreporters und kommentierte das Handballspiel TV Geislar gegen den Turnverein Schwarz- und Vilich-Rheindorf. In dieser Rolle konnte der Präsident nicht nur die Spieler und deren Spiel lustig kommentieren, sondern auch aktuelle Begebenheiten aus dem Dorf zum Vergnügen des Publikums mit einbeziehen. Er hatte die große Gabe, diesen Spott zu lustig und humorvoll vorzutragen, dass er immer die Lacher auf seiner Seite hatte. Die Schwarz-Gelbe-Jonge hatten sich zum Ziel gesetzt, anderen eine Freude zu bereiten. Das sollte nicht nur auf die Karnevalszeit beschränkt bleiben. Für uns war es immer wieder eine Freude, von 1955 bis heute, den alten Menschen im St. Albertus-Magnus-Heim in Pützchen mit einer Sitzung aufzuwarten. Unterstützt werden wir immer kostenlos von anderen Karnvalisten. Der Zusammenschluss der beiden Turnvereine Beueler Turnverein und Rheindorfer Turnverein zur größten Turn- und Sportvereinigung in Bonn, ermöglichte es, die Sitzungen in der großen Turnhalle an der Ringstraße stattfinden zu lassen – Gürzenich von Beuel. Das 25-jährige Jubiläum wurde mit einer großen Galasitzung und einer Ausstellung in der Dresdner Bank begangen. 1978 war aber auch ein Jahr, dass zu einem Neubeginn führen musste. Nachdem der unvergessene Jupp Wilbertz 25 Jahre Präsident war und durch alle Sitzungen geführt hatte, trat er in den wohlverdienten Ruhestand.
Gerade in der heutigen Zeit, wo viele Menschen keine Zeit mehr für andere Menschen haben, ist es kaum nachvollziehbar, welche Arbeit unser Jupp für die Vereinsmitglieder und die Karnevalisten in diesen 25 Jahren geleistet hat. Für diese einmalige Leistung wurde er zum Ehrenpräsidenten der Schwarz-Gelbe-Jonge ernannt und Ehrenmitglied in der TSV.
Nun bekamen die Schwarz-Gelbe-Jonge als eigenständige Abteilung der TSV neben dem neuen Sitzungspräsidenten Hans Blesgen auch erstmals einen Abteilungsvorsitzenden: Hans Keip. Hans Blesgen übernahmen mit neuem Elan und Können als Sitzungspräsident das Narrenschiff der Schwarz-Gelben-Jonge. Hans Keip, ehemaliger Vorsitzender des Turnvereins Schwarz- und Vilich-Rheindorf, regierte, delegierte und präsentierte die Abteilung der Schwarz-Gelbe-Jonge in den folgenden 11 Jahren durch alle Höhen und Tiefen.
Der Golfkrieg löste bei allen Karnevalsvereinen ein Problem aus; so auch bei uns. Ausgefallene Sitzungen, vertragliche Verpflichtungen und die damit verbundenen Einnahmeverluste schafften einen Schuldenbetrag, der bei Hans Keip schlaflose Nächte hinterließ. Unermüdlich baute er diesen Schuldenberg ab und trat nach 11 Jahren Führungsarbeit in den selbstgewählten Ruhestand mit 60 Jahren. 1. Vorsitzender nach Hans Keip wurde der weit über Beuel hinaus bekannte Heinz Büsch aus Schwarz-Rheindorf im Jahre 1991. Ihm fiel die schwere Aufgaben zu, das Traditionelle zu pflegen und dennoch den Verein für neue, jüngere Mitglieder zu öffnen. Diese Aufgabe ist deshalb nicht so leicht, weil alle Mitglieder nicht nur miteinander auskommen müssen, sondern auch in ihrer Freizeit die Arbeit für den Verein zu leisten haben. Dass ein Verein nur dann mit Leben erfüllt wird, wenn die Mitglieder bereit sind, Vereinsarbeit zu leisten, ist allen Vereinsmitgliedern zu Genüge bekannt. Erfreulicherweise haben wir einen sehr fleißigen Vereinsvorsitzenden, der mit den anderen Vorstandsmitgliedern eine prächtige Teamarbeit leistet. Sitzungspräsident Jürgen Engels, Rheindorfer Urgestein, leitet alle Sitzungen seit November 1989 gekonnt und sorgt mit viel Gespür für die Stimmung der Gäste. Für Überraschungen ist unser Sitzungspräsident immer gut. So wurde einmal die Liküra Silke I. erwartet, aber es kamen die Liküra und das Prinzenpaar Shöret I. und Karl Heinz III aus Bad Godesberg. Ein andermal hatte der Sitzungspräsident 11 ehemalige Prinzen zu einer Herrensitzung eingeladen und an einem Tisch gemeinsam platziert. Sein Erfolg ist sicherlich auch die guten Zusammenarbeit mit dem Literaten Willi Wolf. Karnevalisten von Rang und Namen hat unser Willi schon unter Vertrag genommen, damit die Sitzungen allen Ansprüchen gerecht werden. Gerade die letzten Sitzungen wurden nicht nur von Gästen gefeiert, sondern auch von allen Zeitungen. Bei den heute von (guten) Karnevalisten geforderten Beträgen ist sein Leistung noch höher anzusetzen als früher. Spötter behaupten, die Aufgaben des Literaten sei eine Aufgabe der Familie Wolf. Nach Hubert Wolf übernahm sein Sohn Willi die Aufgabe und gerade in diesem Jahr wurde dessen Sohn Stefan bei den Karnevalisten aufgenommen.

Damenkomitee – Das Klagelied der Männer

Im Jahre 1966 sind wir aus der Dienstagsriege des Turnvereins Schwarz- und Vilich-Rheindorf hervorgegangen. Heute sind wir 23 Frauen im Alter von 25 bis 75 Jahren.
Schwarz-Rheindorfer "Clownerien"
Beitrag bei Toni Röder: Nix is ömesöns "Bonn-Beerdigung"
Es gäbe aus unserer Sicht viel zu erzählen, aber lassen wir doch mal einen unserer Männer zu Wort kommen. Bernhard Brandenburg hat in humorvoller Weise den Lauf des Jahres und die Aktivitäten von uns Frauen kommentiert und glossiert: Also hier ein Auszug: Vor 30 Jahren es begann, da fing der ganze Zauber an. Wenn man bedenkt, was in den Jahren, wir Männer hatten zu ertragen! Unsere Frauen wollten nicht nur zur Weiberfastnacht gehen, sie wollten mit auf der Bühne stehen. So wurde geboren aus der Dienstagsriege, das Damenkomitee der Hausfrauenriege. Wenn am 11.11. die Session beginnt, ist nicht mehr die Hauptsache Mann und Kind. Dann fangen an die Zweiten, die „Trüben“, die Mama muss für den Karneval üben. Aufmerksamkeit kann sie jetzt nicht schenken, denn alles dreht sich um „Dichten und Den-ken“. Kommt man nach Hause, will schwelgen im Glück, muss „Frauchen“ zur Probe, ist meistens auf „Jöck“. Wenn sie dann zurückkommt und es lief nicht nach Wunsch, zieht sie uns auch noch „‘nen Flunsch“. Ja, das sind so die Sachen, wir haben wirklich nichts zu lachen. Anfangs waren die Kinder noch klein, damals durften wir Babysitter sein. Zum Troste dachten wir bloß, wenn unsere Kinder sind erst groß, holen wir das alles nach. Wir hatten die Rechnung ohne die Frauen gemacht. Zuerst hieß es: Alles müssen wir machen allein, ihr könnt uns ja auch mal behilflich sein. Beim Umzug zur Fastnacht wir immer laufen, dabei möchten wir gerne verschnaufen. Sorgt doch einen Wagen her, das „Bauen“ fällt Euch doch nicht schwer. Wir mischen uns da gar nicht ein, nur schön muss unser Wagen sein. Das Jahresmotto wir Euch sagen, jetzt baut für uns eine „Klasse“-Wagen. An Weiberfastnacht dann, wird gebraucht noch mancher Mann. In der Halle sind auch Sachen, die können sie nicht selber machen. Von einem Mann wird die Kasse besetzt, ein anderer wird durch den Saal gehetzt. Wir brauchen Requisiten noch, „bring sie bitte doch mal hoch“. Über den Ton, in all den Jahren, hörten wir schon viele Klagen. „Ihr seid technisch doch versiert, passt bitte auf, dass nichts passiert.“ „Wer ist der Fotograf in diesem Jahr“ – Erinnerungen hätten wir auch gern ein paar.“ Eines steht nun mal fest, im Karneval sind unsere Frauen gestresst. Wenn sie mit dem Komitee die Wäscherprinzessin haben, sind sie unterwegs manchmal ganze Tage. Froh, wenn man sie mal erwischen kann, man selbst aufs Auto verzichtet dann. Hat eine Frau keinen Führerschein, springt man auch noch als Fahrer ein. In Uniform, die Mütze auf dem Kopf, steht sie am Herd und rührt im Topf. Ist der Karneval beendet, sind die Frauen wie umgewendet. Sitzen abends und gähnen verstohlen, müssen sich von den Strapazen erholen. Weiter verläuft das Jahr dann normal, bis zum November, dann beginnt’s wieder mal. Na, alles klar? Dem ist doch wohl nichts hinzuzufügen.
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