100 Jahre Vereinsgeschichte ist auch ein Stück Beueler Geschichte und diese 100 Jahre waren ereignisreiche Jahre. Um einen Rückblick zu erhalten, muss man zunächst von zwei Sportvereinen berichten. Da ist einmal der „Beueler Turnverein 1897 e. V.“ und der „Turnverein Schwarz- und Vilich-Rheindorf 1907 e. V.“. Diese beiden Vereine schlossen sich 1971 zur heutigen „Turn- und Sportvereinigung Bonn rechtsrheinisch 1897/07 e. V.“ zusammen.
Josef Richrath und einige Beschäftigte der Jutespinnerei und –weberei Beuel wollten ge-meinsam Sport betreiben und gründeten am 02. September 1987 im Rheingoldsaal zu Beuel den „Beueler Turnverein 1897 e. V.“ und gaben sich folgende Satzung:
„Der Beueler Turnverein, gegründet am 02. September 1897, bezweckt die Pflege des deuschen Turnens, die Ausbildung körperlicher Kräfte und Gewandtheit, die Erweckung und Befestigung einer sittlich mannhaften und vaterländischen Gesinnung.
Er sucht diesen Zweck zu erreichen durch Turnen, Fechten, Turnspiele, Turnfahrten, gesellige Zusammenkünfte, Verbreitung und Verwertung turnerischer Schriften und Bücher.
Jede politische und religiöse Parteistrebung ist ausgeschlossen.
Das Vorhaben wurde von der Jutespinnerei unterstützt. Sie stellte den Vereinsmitgliedern für ihre sportlichen Übungen ein firmeneigenes Grundstück zur Verfügung.
Nach und nach gewann der Verein regen Zuspruch bei der Beueler Bevölkerung. Die Anzahl der Mitglieder stieg stark an. Schon im Jahre 1900 veranstaltete man ein erstes Turnfest. Mit Vereinen aus benachbarten Orten traf man sich zu Spielen und Wettkämpfen. Zunächst fanden alle sportlichen Bestätigungen im Freien statt. Doch bald schon war es möglich, im Winter auch im Rheingoldsaal turnerisch aktiv zu sein.
Das gesellschaftliche Leben spielte im Verein eine große Rolle. So waren alle Familienmit-glieder ins Vereinsleben mit eingeschlossen. Der sportliche Teil war zu dieser Zeit den Männern vorbehalten. Auch an den Karnevalsfestivitäten hatte der Verein regen Anteil.
Durch Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 wurde das intensive Vereinsleben zunächst gedämpft und kam schließlich ganz zum Erliegen.
1920 fanden sich einige Vereinsmitglieder zusammen und fingen an, den Verein mit viel Engagement wieder aufzubauen. 1922 beging man dann feierlich das 25-jährige Bestehen.
1926 schaffte es der Verein, eine Turnhalle mit Jugendheim und –herberge auf dem Grundstück in der Goetheallee, wo heute das Schwimmbad steht, mit anliegendem Turnplatz zu erwerben. Es entwickelte sich in den 20er und 30er Jahren eine Vielfalt an Sportmöglichkeiten. So konnte im Hallenbad im Rhein bei Beuel geschwommen werden; es wurden weitere Abteilungen für Mädchen, Knaben, Kleinkinder und 1935 eine erste Abteilung Frauengymna-stik gegründet. Es hatte sich wieder ein lebhaftes Vereinsleben entwickelt. Da kam es wieder einmal mit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges 1939 zu einem starken Schnitt für den Verein. Der Sportbetrieb litt sehr darunter, 1944 wurde die Turnhalle durch Kriegseinwirkung zerstört und das sportliche Treiben kam wieder völlig zum Erliegen. Die Weltgeschichte hatte dem Verein zum zweiten Mal schwer zugesetzt. Es fanden sich aber auch diesmal bald wieder Vereinsangehörige, die sich daran machten, den Sportbetrieb wieder aufleben zu lassen. Dies gelang nur sehr mühsam. Eine Feldhandballabteilung bildete den Anfang. 1954 konnte mit der Fertigstellung der Turnhalle der Realschule der Hallensport ausgedehnt werden. Die traditionellen Sportarten wurden wieder aufgenommen und viele neue kamen hinzu.
![]() | Foto Beueler Turnverein Goetheallee 1935 |
An Anregung von Josef Keller wurde am 25. April 1907 der Turnverein Schwarz- und Vilich-Rheindorf 1907 e. V. gegründet.
Es war zunächst nur eine kleine Anzahl von Mitgliedern. Das änderte sich bald. Die Bevölkerung schloss ich vermehrt dem Sportverein an. Die sportlichen Übungen beschränkten sich zunächst auf Gymnastik und Leichtathletik. Durch die Unterstützung einiger Vereinsmitglieder konnten bald die ersten Sportgeräte angeschafft und damit das Turnen aufgenommen werden. Schon 1908 war der Verein in der Lage, seine Turner an Wettkämpfen in näherer und weiterer Umgebung teilnehmen zu lassen. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 legte das Vereinsleben weitgehend lahm. Erst im Oktober 1920 fanden sich einige Vereinsmitglieder zusammen und bildeten einen neuen Vorstand, um den Verein wieder aufleben zu lassen. Das Turnen wurde als erstes wieder aufgenommen, hinzu kam das Wandern.
Von 1923 an beteiligten sich auch die Frauen am Sportgeschehen. Es wurde eine Frauenriege gegründet, allerdings unter Leitung eines Turnwartes. Der Verein erlebte in jenem Jahr einen starken Zuwachs an Mitgliedern. Neue Sportarten wurden aufgenommen, wie Faustball und Schlagball, eine Schülerriege wurde betreut. Die große Mitgliederzahl und das breite Spektrum an Sportarten ermöglichte dem Verein, Abordnungen zu allen kleineren und auch größeren Sportfesten zu entsenden und dabei erfolgreich zu sein. Ab 1924 nahm das Feldhandballspiel einen breiten Rahmen im Verein ein. Es wurden mehrere Mannschaften gegründet, was allerdings zu Lasten der Faust- und Schlagballmannschaften geschah. 1925 konnte der Verein seinen Mitgliedern noch das Schwimmen in der Beueler Badeanstalt anbieten.
Das gesellschaftliche Leben spielte im Verein immer eine große Rolle. Schon 1926 wurde die erste Karnevalssitzung durchgeführt und zwar mit viel Erfolg.
Die Jugend fand verstärkt Zugang zum Verein. Jungen ab 10 Jahren konnte ab 1930 offiziell dem Verein beitreten.
Das rege Vereinsleben erlitt durch den Ausbruch des zweiten Weltkrieges einen erneuten Einbruch. Als die Sportstätte auch noch durch Bomben zerstört wurde, kam das Vereinsleben abermals zum Stillstand. Schon bald nach Kriegsende, im September 1945, bemühten sich einige Vereinsmitglieder darum, dass ein kleiner Sportbetrieb wieder aufgenommen werden konnte. Im gleichen Jahr noch begann man wieder mit dem Feldhandball.
Ein Jahr später – 1946 – richtete man wieder eine Schülerabteilung sowie eine Frauenriege ein. Die Frauen beteiligten sich nun auch am Handballspiel. In den folgenden Jahren gab es Höhen und Tiefen im Verein.
Zu Schwierigkeiten kam es aus Gründen der fehlenden Sportstätten, aus Mangel an den nötigen Finanzen und dem Fehlen von Mitgliedern, die zur Vereinsführung bereit waren.
Ab 1950 gehörte das Tischtennisspiel mit zum Angebot des Vereins. 1952 legte man sein Augenmerk vermehrt auf die Jugend.
Der Erweiterung des Sportangebotes stand aber immer noch der Mangel an Sportstätten im Weg. Um Abhilfe zu schaffen, wandte man sich an den Regierungspräsidenten, die Stadt Beuel und den Landessportbund. Man bat um Unterstützung für den Ankauf eines Gebäudes. Nach vielen Bemühungen erhielt man Unterstützung von verschiedenen Seiten und war in der Lage, den Kauf zu tätigen. Bevor das Gebäude sportlich genutzt werden konnte, mussten noch umfangreiche Umbaumaßnahmen vorgenommen werden. Dank großer Hilfsbereitschaft vieler Vereinsmitglieder und ortsansässiger Firmen wurde auch dieses bewältigt.
Am 13. Juni 1954 war es dann so weit, das „Turnerheim Joseph Keller“ konnte eingeweiht werden. Einem ungestörten Sportbetrieb stand nun nichts mehr im Wege. Das weitere Vereinsleben nahm einen positiven Verlauf.
![]() | Im Jahre 1953 wurde als Abteilung im Verein die Karnevalsgesellschaft „Schwarz-Gelbe-Jonge“ gegründet und damit das gesellschaftliche Leben im Verein gefestigt. Die karnevalistische Aktivität erfuhr 1955 eine Verstärkung durch die Bildung eines Damenkomitees. |
Die beiden Vereine, der „Beueler Turnverein 1897 e. V.“ und der „Turnverein Schwarz- und Vilich-Rheindorf 1907 e. V.“, nahmen intensiven Kontakt zwecks Zusammenlegung auf. Am 24. August 1971 beschloss man dann die Fusion unter dem Namen „Turn- und Sportvereinigung Bonn rechtsrheinisch 1897/07 e. V.“. So entstand ein mitgliederstarker Verein mit einem breitgefächerten Angebot an Sportarten.
Eine Erweiterung erfuhr die Vereinigung 1984 durch den Anschluss des Schwimm-Sport-Vereins Beuel. Die Mitglieder konnten nun auch noch Schwimmsport betreiben.
Die Entwicklung ging immer weiter. So gab es Veränderungen in den Sportarten, es fielen einige weg, andere kamen hinzu.
Wie es im Einzelnen sportlich in der Sportvereinigung zuging und heute zugeht, möchten wir auf den folgenden Seiten schildern.
Allerdings haben diese Berichte keinen Anspruch auf Vollkommenheit des sportlichen Treibens. Weitere Informationen können über die einzelnen Symbole auf der Startseite abgerufen werden.
Maria Schäfer weiß zu erzählen: Es war wieder einmal so weit! Die schon zur Tradition gewordene Christi-Himmelfahrts-Wanderung stand bevor und die dazugehörige Erbsensuppe für die Wanderer am Ziel sollte zubereitet werden. Sechs Turnschwestern fanden sich bei Maria Schäfer im Hof ein, um die Zutaten vorzubereiten. Die Kartoffeln wurden geschält, das Gemüse geputzt und, als alles fertig war, sollte die Suppe gekocht werden. Eine Gulaschkanone war vom Technischen Hilfswerk (THW) besorgt worden und stand bereit. Doch keiner wusste nun, wie man sie ans Brennen bringen konnte. Was nun? Guter Rat war teuer. Maria Schäfer ging ans Telefon und wandte sich an das Innenministerium, dem das THW unterstellt war, um Hilfe zu erhalten. Doch vergebens, dort war niemand, der helfen konnte. Es boten noch zwei Turnbrüder Hilfe an, aber auch sie bekamen das Problem nicht gelöst. Maria Schäfer hatte nun die Idee, den Leiter der freiwilligen Feuerwehr anzurufen. Gesagt – getan, nach fünf bis zehn Minuten kam ein Feuerwehrauto mit Martinshorn in die Hofeinfahrt bei Schäfers gebraust. Der Feuerwehrmann kannte sich mit der Gulaschkanone aus und hatte sie schon nach wenigen Minuten in Gang gebracht.
Die Nachbarschaft war ganz aufgeregt, dachte sie doch, dass es bei Schäfers brennt. Die Suppe konnte nun gekocht werden und mehr als 100 Wanderer konnten am Stenzelberg Erbsensuppe essen.
Ob die wohl um die Aufregung bei der Zubereitung der Suppe wussten?
| Vera Hafeneger, geb. Schmitz erzählt | Im September 1930 trat ich mit 8 Jahren in den damaligen Beueler Turnverein ein. Wir turnten in der vereinseigenen Turnhalle, welche an der damaligen Kronprinzenstraße, jetzt Goetheallee, stand. In der geräumigen Turnhalle stand in einer Ecke ein kleine „Kanonenofen“. Da herum drängten wir uns im Winter und wärmten uns vor der Turnstunde auf. Unsere Geräte bestanden aus zwei Barren, zwei Pferden und zwei Böcken. Die Matten waren aus Rosshaar und sehr hart. Zwei einfache Sprungbretter waren auch vorhanden. Ein Reck stand aufgebaut in der Halle. Es war hauptsächlich für die Männer gedacht. Darunter war eine Absprunggrube, welche mit Sägespänen gefüllt war. Als Handgeräte hatten wir Medizinbälle, Seilchen und Keulen. Im Keller befanden sich die sanitären Anlagen und Umkleideräume. Im Nebenraum der Turnhalle standen 12 bis 15 Feldbetten, worin Wandersleute übernachten konnten. Noch ein kleiner Raum war vorhanden, worin von allen Abteilungen |
Pokale und Urkunden aufbewahrt wurden. Dort saßen wir viele Stunden froh zusammen und sangen unsere Lieder. Es war wunderschön. Am Christi Himmelfahrtstag (unser Götz Wandertag) zogen wir mit Kind und Kegel in Gottes freie Natur. Viele Vereine kreuzten unsere Wege und wir riefen uns ein kräftiges „Gut Heil“ zu. Der Wimpel unserer Kinderabteilung wurde vornweg getragen. Jeder war stolz, ihn einmal tragen zu dürfen. Die Marschverpflegung hatte jeder selbst dabei. An Ort und Stelle wurden Spiele gemacht und gesunden. Es war immer ein wunderschöner, gelungener Tag.
1939 übernahm ich eine Schülerinnengruppe und wurde als Kinderturnwartin gewählt.
Leider wurde unsere Turnhalle im Krieg am 18. Oktober 1944 durch Brandbomben zerstört.
Nach dem Krieg, als wieder eine Turnhalle zur Verfügung stand, baute ich wieder eine Schülerinnen-Turngruppe auf. Mit 20 Schülerinnen begann ich die erste Turnstunde. Nach einem Jahr konnten wir schon über 100 Kinder in unseren Turnstunden betreuten. Wir waren auf vielen Gaukinderturnfesten und haben fast immer den ersten oder zweiten Platz belegt. Fast alle unsere Kinder kamen mit einer Urkunden oder einem Eichenkranz zurück. Die Freude war groß und wir waren sehr stolz.
In Kirspenich war ich als Kampfrichterin eingeteilt. Daran habe ich eine nette Erinnerung. Ein alter Herr kam auch mich zu und meinte: „Junge Frau, könnt ihr jetzt jet jot werte? Dat nächste Kind es nämlich ming Enkelche“.
Käthe Brandt hat mir bei vielen Veranstaltungen sehr geholfen und zur Seite gestanden. Ihre Tochter Claudia war auch immer mit dabei und eine unserer besten Turnerinnen. Um die Weihnachtszeit haben wir in der Turnhalle einen Elternabend veranstaltet. Alle Kinder zeigten mit Stolz, was sie in den Turnstunden gelernt hatten.
Der Abend wurde mit einer Nikolausfeier verbunden. Unser Addi Schreiber erschien als St. Nikolaus. Er las aus seinem großen Buch so manches vor. Mit einer großen Tüte Leckereien verließen die Kinder die Veranstaltung. Eines unserer Mädchen besah sie den St. Nikolaus und meinte: „Der hätt de selbe Stiffele an wie in singem Jade“. (Schmunzeln bei uns).
25 Jahre habe ich gerne und mit großer Freude die Kinderabteilung geleitet und sie dann in die Hände von Marlene Modigell gegeben.
Im ehemaligen Beueler Turnverein war neben den Frauenriegen und der Handballabteilung die Männerriege stets die tragende Säule des Vereins.
Bald nach dem letzten Krieg wurde die Männerriege schnell wieder aktiv, besonders, da für den Turnbetrieb ab 1957 wieder eine gute Turnhalle in der Realschule Beuel, zur Verfügung stand.
Es wurde damals klassischer Turnbetrieb praktiziert. In den Turnstunden wurden Laufschule, Gymnastik und besonders Geräteturnen durchgeführt, wobei bei letzterem beachtliche Leistungen auch auf den Turnfesten erzielt wurden.
Im Laufe der folgenden Jahre, ab etwa 1973, lösten dann die seinerzeit aktuellen, moderneren Spielbetriebe – z. B. Prellball, Volleyball – das klassische Turnen bei uns im Verein ab. Das hat sich bis heute in der Männerriege fortgesetzt und erhalten.
Eine Besonderheit ist im Zusammenhang mit der Männerriege zu vermerken: Zusätzlich zu den im Verein durchgeführten Wanderungen, dem Himmelfahrts-Wandertag, Götz-Wandertag, etc. führt die Männerriege seit 1930 bis heute – unterbrochen während der Jahre des letzten Krieges – jährlich die Herbstwanderung an einem Sonnabend auf den Steinerberg/Ahr durch.
Mit stets reger Beteiligung stieg man nach einer Bahnfahrt bis Recht auf den Steinerberg auf. Die an diesem Wandertag ohnehin schon gute Stimmung fand dann auf dem Steinerberg-Gipfel, nachdem man sich an der oft vom „Vereinskoch“ Albert Hambitzer angefahrenen Erbsensuppe gestärkt hatte, den allseits beliebten Höhepunkt. Die humorvolle und ausgelassene Steinerberg-Meisterschaft wurde ausgetragen: Stein-Stoßen, Weithüpfen, Medizinball-Weitwurf gehörte zu den Attraktionen.
Doch es war stets noch eine Steigerung drin: Nach dem Abstieg vom Steinerberg wurde es in den Weinlokalen in Rech oder Dernau erst richtig lustig.
Über 60mal regelmäßig jährlich bezwang die Männerriege bis heute den Steinerberg-Gipfel!